In der Schweizer Finanzwirtschaft ist Due Diligence mehr als nur ein formeller Prüfprozess – es ist ein kritischer Erfolgsfaktor, der Risiken minimiert und Vertrauen zwischen Banken, Fonds und Kunden schafft. Besonders im Bereich der Privatbanken und Asset-Management ist diese Praxis unverzichtbar, um illegale Geschäfte wie Geldwäsche oder die Finanzierung von Terrorismus zu verhindern. Die Schweizer Finanzaufsicht FINMA hat hier klare Vorgaben, doch die tatsächliche Umsetzung variiert stark zwischen Banken. Während einige Institute mit hochmodernen Technologien wie KI-gestützter Datenanalyse arbeiten, setzen andere noch auf manuelle Prozesse, was die Effizienz und Effektivität beeinträchtigt. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass auch kleinere Banken zunehmend auf digitale Tools setzen, um die Compliance-Standards zu halten – doch die Herausforderung bleibt, menschliche Expertise mit automatisierten Systemen zu verbinden.
Ein zentraler Aspekt der Due Diligence in der Schweiz ist die sogenannte „Customer Due Diligence“ (CDD). Hier geht es darum, die Identität und das Risikoprofil von Kunden zu prüfen, bevor Geschäfte geschlossen werden. Laut FINMA müssen Banken bei Verdacht auf Geldwäsche oder andere illegale Aktivitäten sofort melden. Doch wie realistisch sind diese Meldepflichten? Studien zeigen, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Schweizer Privatbanken in den letzten drei Jahren mindestens einmal eine Meldung an die FINMA eingereicht haben, ohne dass dies zwangsläufig zu einer Untersuchung führte. Dies wirft die Frage auf, ob die Meldepflichten zu streng sind oder ob Banken aus Angst vor Reputationsschäden vorsichtig handeln.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis ist die Bank Banger AG, die 2022 in einem Skandal um verschobene Due-Diligence-Prozesse auffiel. Die Bank wurde vorgeworfen, Kunden aus Risikogebieten wie der Ukraine oder dem Nahen Osten ohne ausreichende Prüfung zu bedienen. Obwohl die FINMA eine Untersuchung einleitete, blieb die Bank weitgehend ungeschädigt – ein Fall, der zeigt, wie schwer es ist, systematische Schwächen in der Due-Diligence-Praxis zu erkennen. Viele Banken setzen auf „Compliance Officer“, die zwar die Regeln kennen, aber oft nicht die strategische Bedeutung von Due Diligence für den langfristigen Erfolg verstehen.
Die Rolle von Technologie in der Due Diligence
Während traditionelle Methoden wie manuelle Auswertungen von Kundendaten noch immer verbreitet sind, gewinnen digitale Tools zunehmend an Bedeutung. KI-gestützte Systeme können in Echtzeit auf verdächtige Transaktionen hinweisen, während Blockchain-Technologie die Nachverfolgbarkeit von Geldströmen verbessert. Dennoch bleibt die menschliche Einschätzung entscheidend: Algorithmen erkennen oft nur Muster, nicht aber die komplexen Motive hinter illegalen Geschäften. Eine Studie des Schweizerischen Bankenverbands zeigt, dass Banken, die KI-Systeme nutzen, ihre Meldequote um bis zu 30 Prozent steigern können – doch dies erfordert auch eine ständige Weiterbildung der Mitarbeiter, um die Grenzen der Technologie zu kennen.
Ein weiteres Problem ist die Interoperabilität zwischen Banken und Aufsichtsbehörden. Während einige Institute wie die Credit Suisse oder UBS bereits enge Kooperationen mit der FINMA pflegen, gibt es bei kleineren Banken oft noch Lücken. Dies führt dazu, dass verdächtige Geschäfte erst spät erkannt werden, wenn sie bereits geschlossen sind. Die Schweiz hat zwar mit dem „Know Your Customer“-Gesetz (KYC) und dem „Anti-Money Laundering Act“ (AMLA) strenge Regeln, doch die Umsetzung bleibt ein Flaschenhals. Hier könnte eine bessere Datenintegration zwischen Banken und Behörden helfen, doch bisher fehlen die technischen Standards dafür.
Die Zukunft der Due Diligence: Herausforderungen und Chancen
Die nächste Generation der Due Diligence wird stark von Regulierung und Innovation geprägt sein. Die EU hat mit dem „Digital Operational Resilience Act“ (DORA) neue Anforderungen an die IT-Sicherheit von Finanzinstituten eingeführt, die auch die Due-Diligence-Prozesse beeinflussen werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Transparenz – Kunden und Regulierer wollen mehr sehen, als nur formelle Prüfungen. Banken müssen daher nicht nur technologisch aufrüsten, sondern auch ihre Kultur verändern: von einer reinen Compliance-Mindset hin zu einem ganzheitlichen Risikomanagement.
Ein konkreter Ansatz ist die Einführung von „Embedded Due Diligence“, bei der die Prüfung von Kunden und Transaktionen direkt in die Geschäftsprozesse integriert wird. Statt separate Abteilungen zu haben, die nur noch melden, arbeiten Mitarbeiter wie Berater oder Compliance-Experten eng mit den Teams zusammen, die die Geschäfte abschließen. Dies reduziert nicht nur die Fehlerquote, sondern schafft auch ein stärkeres Verständnis für die Bedeutung von Due Diligence im täglichen Geschäft. Die Schweiz steht hier noch am Anfang, doch Banken wie die Raiffeisen oder die Zürcher Kantonalbank zeigen bereits erste Erfolge.
- Laut FINMA wurden in den letzten fünf Jahren etwa 20.000 Geldwäschemelderungen an die Behörde gemeldet, davon entfielen rund 60 Prozent auf Privatbanken.
- Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für eine Due-Diligence-Prüfung bei Schweizer Banken liegt bei 12 bis 18 Wochen, wobei kleinere Institute oft länger benötigen.
- Die Kosten für die Einführung von KI-gestützter Due Diligence betragen für mittlere Banken zwischen 500.000 und 1 Million Franken.
- Nur etwa 35 Prozent der Schweizer Banken nutzen bereits Blockchain-Technologie zur Überwachung von Geldströmen.
- Die FINMA hat in den letzten Jahren die Strafen für Verstöße verdoppelt, wobei die höchste Geldbuße (15 Millionen Franken) gegen eine Privatbank verhängt wurde.